TOBIAS  RAUSCH 

Steuerberatung in Hannover
 

Die Besteuerung von Dienstwagen beim Arbeitnehmer

Eine häufig gestellte Frage, die sich Arbeitnehmer stellen, betrifft die Besteuerung des Dienstwagens und die Auswirkungen auf das Nettoeinkommen. Die lohnsteuerliche Behandlung der Überlassung eines Dienstwagen ergibt sich insbesondere aus § 8 Abs. 2 Satz 2 bis Satz 5 EStG. 

Grundlagen

Die Überlassung eines Dienstwagens durch den Arbeitgeber, ohne dass der Arbeitnehmer hierfür ein Entgelt zahlen muss, führt zu einem steuerlich relevanten Nutzungsvorteil, wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen auch privat nutzen darf. Der Nutzungsvorteil begründet sich auf der Annahme, dass der Arbeitnehmer für die privaten Fahrten normalerweise Aufwendungen zu tragen hat, die durch die Überlassung eines Dienstwagens entfallen. Der Arbeitnehmer ist um die Zurverfügungstellung des Fahrzeuges sowie sämtlicher damit verbundener Kosten wie Steuern, Versicherungsprämien, Reparatur-, Wartungs- und Treibstoffkosten bereichert. Dieser sogenannte geldwerte Vorteil ist vom Arbeitnehmer als Arbeitslohn zu versteuern.

Höhe des Nutzungsvorteils

Die Höhe des zu versteuernden Nutzungsvorteils kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Der geldwerte Vorteil bezieht sich nur auf die private Nutzung und nicht auf die betrieblichen Fahrten (z. B. Dienstfahrten).

Fahrtenbuchmethode

Um dem Finanzamt nachzuweisen, wie hoch der geldwerte Vorteil (private Nutzung) und der Anteil an betrieblicher Nutzung ist, kann ein Fahrtenbuch geführt werden. Jeweils am Anfang und Ende des Jahres werden die gefahrenen Kilometer anhand des Kilometerzähler abgelesen. In dem Fahrtenbuch werden unterjährig die betrieblichen Fahrten aufgezeichnet. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch muss zeitnah und in geschlossener Form geführt werden, um so nachträgliche Einfügungen oder Änderungen auszuschließen oder als solche erkennbar zu machen. Es muss Angaben zum Datum, Fahrtziel und dienstlichen Zweck (z. B. Benennung des Kunden) beinhalten. Das Fahrtenbuch dient der Ermittlung des betrieblichen Anteils, d. h. im Umkehrschluss ergibt sich die private Nutzung. Die anteiligen Gesamtkosten für den privaten Gebrauch sind als geldwerter Vorteil zu versteuern.

Beispiel zur Fahrtenbuchmethode

Die jährlichen Kosten für das Fahrzeug belaufen sich insgesamt auf € 15.000 (brutto). In den Gesamtkosten ist auch die Abschreibung des Fahrzeuges zu berücksichtigen. Angenommen der Dienstwagen wurde am 1.1. eines Jahres angeschafft und hat € 60.000 (brutto) gekostet. Die Abschreibung für das Jahr 1 beträgt dann € 10.000.

Im gesamten Jahr wurden 15.000km zurückgelegt, davon entfallen 3.000km auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Die Berechnung des geldwerten Vorteils mittels Fahrtenbuch ergibt:

Anteil privater Fahrten: 3.000km / 15.000km = 20 %

Geldwerter Vorteil: 20 % x € 15.000 Gesamtkosten = € 3.000

€ 3.000 sind als Arbeitslohn vom Arbeitnehmer zu versteuern, was eine Steuerzahlung von € 900 zur Folge hat (Angenommen ist ein Einkommenssteuersatz von 30 %).

1 %-Regelung

Eine weitere Möglichkeit den Nutzungsvorteil zu ermitteln ist die pauschalierte Ermittlung mittels der sogenannten 1 %-Regelung. Werden die tatsächlichen Nutzungsverhältnisse nicht durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen, ist der private Vorteil aus der privaten Nutzungsüberlassung nach der 1 %-Regelung zu bewerten (§ 8 Abs. 2 Sätze 2 bis 4 i.V. mit § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG).

Der Nutzungsvorteil errechnet sich monatlich als 1 % des Bruttolistenpreises. Außerdem sind die privaten Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu berücksichtigen. Der geldwerte Vorteil erhöht sich je Kalendermonat um 0,03 % des Listenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte.

Beispiel zur 1%-Regelung

Die Angaben aus dem Beispiel bleiben unverändert. Die jährlichen Kosten für das Fahrzeug belaufen sich insgesamt auf € 15.000 (brutto). Die Anschaffungskosten betragen € 60.000 (brutto).

Im gesamten Jahr wurden 15.000km zurückgelegt, davon entfallen 3.000km auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt 14km. Die Berechnung des geldwerten Vorteils mittels 1 %-Regelung ergibt:

Monatlicher geldwerter Vorteil: (€ 60.000 x 1 %) + (€ 60.000 * 0,03 % * 14km) = € 852

Geldwerter Vorteil für das gesamte Jahr: € 852 * 12 = € 10.224

€ 10.224 sind als Arbeitslohn vom Arbeitnehmer zu versteuern, was eine Steuerzahlung von € 3.067 zur Folge hat (Angenommen ist ein Einkommenssteuersatz von 30 %).

Ergebnis

Ob die Fahrtenbuchmethode oder die pauschale Versteuerung der 1 %-Regelung günstiger ist, hängt jeweils vom Einzelfall ab. In dem oben berechneten Beispiel ist die Fahrtenbuchmethode deutlich günstiger. Wenn aber beispielsweise die private Nutzung nicht 20 % beträgt, sondern 90 %, weil der Arbeitnehmer kaum betriebliche Fahrten absolviert, kehrt sich der Vorteil zum Nachteil.

Im Übrigen kann die Ermittlungsmethode zu jedem Jahreswechsel geändert werden, daher sollten Sie insbesondere zum Jahresende überprüfen, welche Methode für Sie günstiger ist und eine Anpassung beim Finanzamt beantragen.